Keine Macht den Drogen


Anti-Drogen-Kampagne

Seit 1991 unterstützt jeder, der etwas zählt im deutschen Sport, die Anti-Drogen-Kampagne. Lothar Matthäus, der Hochspringer Ralf Sonn, Steffi Graf, Katja Seizinger, Franziska von Almsick, Berti Vogts, Jürgen Klinsmann ... Alle lächelten sie von Plakatwänden, mahnten in Fernsehspots oder trugen das Logo beim Absingen der Nationalhymne. Erdacht wurde die Kampagne kurz vor der Fußball-WM 1990 von Karl-Heinz Rummenigge, dem 1992 verstorbenen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Hermann Neu-berger, dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble und dem Münchner Sportvermarkter Fedor Radmann. Das Motto, formulierte Rummenigge, »will ein soziales Klima schaffen, das Drogenkonsum ablehnt«. Der Schirmherr war und ist der heutige Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. 87 Prozent der Bundesbürger kennen den markigen Spruch, mit über 20 Millionen Mark aus Mitteln des Bundes-gesundheitsministeriums wurde diese Kampagne kräftig gedopt. Es gab allerdings nicht nur Zustimmung. Sozialarbeiter ernteten bei Vorträgen in Schulen »regelmäßig Lacherfolge«, sobald die Sprache auf »Keine Macht den Drogen« kam. Die Schüler ließen sich neue Sprüche (»Keine Macht den Doofen«, »Keine Nacht ohne Drogen«, »Keine Macht den Slogans«) einfallen und spekulierten über den Sinn einer AntiDrogen-Werbung, die in den Stadien zwischen Alkohol- und Pharma-Reklame eingezwängt ist und von Vertretern dopingverdächtiger Sportarten präsentiert wird.
Quelle: Spiegel 14/94
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