Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe


Gemeinschaftswerbung ARD und ZDF

1989 war ein bitteres Jahr für ARD und ZDF. Damals hatten UFA und RTL plus sich die Übertragungsrechte für die erste Bundesliga vom Deutschen Fußballbund gesichert und die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ins Abseits laufen lassen. Diese Schlappe mußte schleunigst ausgebügelt, der Image- und Vertrauensverlust beim Zuschauer und damit auch beim Werbekunden in Grenzen gehalten werden. Man wollte dafür sorgen, »ARD und ZDF mit dem Image der besten Programmanbieter zu belegen«. Die Agentur Young & Rubicam klebte also in ihrem Auftrag Großplakate, die eine Fußball-Szene zeigen und den Hinweis tragen: »Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe«. Zugegebenermaßen ein bißchen dreist, hatte man doch gerade die überaus lukrativen Fußballrechte verloren. Die Werbebranche sah das ebenso und forderte zu kritischer Prüfung auf: Ob der Slogan »die nackte Verarsche zahlender Zuschauer sein sollte oder bloß blanke Dummheit gewesen ist, mögen Fußball-Fans selbst entscheiden«. Und lästerte weiter über: »Sendeanstalten, die unser Geld lieber in die Verwaltung stecken statt in die Gestaltung der Programme. Fazit: Wer zuviel Gebühren hat, kann davon auch Plakate kleben.« Ihre Häme war nicht unberechtigt. Bei ARD und ZDF saß jedenfalls die Werbung nicht in der ersten Reihe, sondern im Vorabendprogramm. Als die Empörung sich gelegt hatte, übernahm genau 41 Hefte später die Zeitschrift »werben & verkaufen« den Slogan dann selbst: »Bei Film und Fernsehen sitzt die Werbung bald in der ersten Reihe.« Sie werden sich noch weiter beharken, die Privaten und die Öffentlich-Rechtlichen. Deren Slogan »Abschalten können Sie woanders« ist überaus mehrdeutig und kann sich auch als Bu-merang erweisen.
Quelle: w&v 3/89
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